Das neue Peter-Weibel-Forschungsinstitut für digitale Medienkulturen

05.10.17
Peter Weibel Schenkung Foto © Birgit und Peter Kainz

Gestern Vormittag wurde an der Universität für angewandte Kunst Wien das neue „Peter-Weibel-Forschungsinstitut für digitale Medienkulturen“ vorgestellt. Die Namensgebung kommt natürlich nicht von ungefähr: Das neue Forschungsinstitut basiert auf einer großzügigen Schenkung Weibel’s. Finanziert wird es vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft.

Ganze 1.150 Exponate umfasst das Archiv von Weibel. Angefangen bei Fotografien, Videos, Plakaten, Leinwänden, über Bildschirme, Tonbände, 3D-Drucken und vielem mehr. Das derzeit privat gelagerte Archiv geht nun zu Forschungszwecken direkt an die Angewandte. Davon ausgenommen sind knapp 40 Werke, die an das MAK – Museum für angewandte Kunst gehen.

Diese Schenkung habe „schon eine kleine existentielle Krise“ in ihm ausgelöst, so Weibel beim Pressetermin. Dennoch ist die heutige Schenkung, und damit die Basis für das neue Forschungsinstitut, ein „historischer Moment“, der 1974 seinen Ursprung nahm. Gemeinsam mit Kollegen gründete er damals das „Institut für experimentelle Epistemologie“, das aber nach kurzer Zeit aufgrund fehlender Subventionen scheiterte. Retrospektiv betrachtet sagt Weibel, dass sie „besser […] eine Garage gemietet [hätten]“. Denn parallel zu ihrer Institutsgründung wurde bekanntlich Apple in einer Garage gegründet.

Das Peter-Weibel-Forschungsinstitut ist finanziell mit einer Investition in Höhe von 480.000 Euro seitens des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft abgesichert. Der Betrag wird für das laufende Jahr und 2018 aufgewendet. Im kommenden Jahr werden dann die Verhandlungen für die Folgejahre aufgenommen. Die Aufgabe des Forschungsinstituts ist es laut Harald Mahrer — Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft — uns auf die technologische Transformation vorzubereiten, oder uns auf dem Weg zu begleiten. „Wie kann man mit dem technologischen Wandel umgehen, wie kann man ihn bewältigen, wie kann man die Chancen nutzen?“ so Mahrer. Dazu gehört „aber auch, wie man das ein oder andere Bedrohungspotential abwenden kann“.

„Die technologische Revolution von der wir immer sprechen: die wird kommen, die ist schon da. Und die technologischen und technischen Mittel werden eingesetzt werden. Die Frage ist nur wie“, sagte Universitäts-Rektor Gerald Bast während der Pressekonferenz. „Die Technologie und Wirkung der Technik ist keine reine Frage der Technik oder Naturwissenschaften, sondern das ist vielmehr eine Kulturfrage. Eine Frage, wie wir das als kulturelles Instrument nutzen. Damit die Zivilisation weitergeht. Und die Zivilisation ist auch ein kultureller Prozess.“

Tatsächlich haben die Technologien sich in einem rasanten Tempo in unserem Alltag verankert. Ein Tempo, dass zugleich eine der größten Herausforderungen darstellt. Cyborgs, Virtual- und Augmented Reality und Artificial Intelligence sind längt keine Zukunftsvision mehr. Sie sind da. Sie sind Realität. Die Frage ist nur: wie gehen wir damit um? Wie erweitern sie den künstlerischen Medienbegriff? Wie wirken sie sich gesellschaftlich aus? Mit Themen wie diesen und Technologien wie Artificial Intelligence, Genetic Engineering, Synthetic Biology wird sich das neue Forschungsinstitut beschäftigen. „Codes lassen sich heute beherrschen“, so Weibel, der auch den ersten europäischen Medienkunst-Studiengang an der Universität für angewandte Kunst Wien gründete. Der 2012 emeritierte Professor ist einer der weltweit bekanntesten Medienkünstler- und theoretiker.

Für Bast ist Weibel „Die Personifikation eines gebildeten Menschen, wie wir sie viel mehr im 21. Jahrhundert brauchen. Ich glaube, dass es in den nächsten Jahrzehnten mindestens so vieler Leute mit kultureller Bildung bedarf, um diese Herausforderung der technologischen Revolution leisten zu können, wie es auch Menschen geben muss, mit einer technischen und naturwissenschaftlichen Vorbildung. Idealerweise in Kombination“, so Bast. Aufgrund dieser Annahme wurde auch der neueste Studiengang an der Angewandten entwickelt: „Cross-Disciplinary Strategies“ ist ein interdisziplinärer Studiengang, der als Antwort auf gegenwärtige Transformationsprozesse dienen soll. Es spannt den Bogen von der Kunst zur Philosophie, zu Natur- und Ingenieurwissenschaften, den Geisteswissenschaften und „Global Challenges“. Der Studiengang, der diesen Herbst gestartet hat, ist neben dem Peter-Weibel-Forschungsinstitut angesiedelt: In der Hinteren Zollamtsstrasse 17 im 3. Wiener Gemeindebezirk. Ebenso wie das Institut für Digitale Medienkunst, das ab Frühling 2018 durchstartet.

Das Forschungsinstitut wird seine Arbeit umgehend aufnehmen. Mit welchem spezifischen Forschungsschwerpunkt das Team startet, ist derzeit noch nicht bekannt.

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