Das Denkmal – oder der Mut zur Lücke. Das Künstlerduo Six & Petritsch im Kunstraum Lakeside

09.05.15

Letzte Gelegenheit die Ausstellung "Das Denkmal von Nicole Six & Paul Petritsch" im Kunstraum Lakeside zu sehen! Hier nochmals die Ausstellungsbesprechung von Ulli Sturm. 

Schon für "K08: Emanzipation und Konfrontation – Kunst aus Kärnten von 1945 bis heute" hat das Künstlerpaar Nicole Six (* 1971 in Oberösterreich) und Paul Petritsch (* 1968 in Kärnten) sich der Erinnerungskultur in Kärnten künstlerisch zugewandt und die Volksabstimmung von 1920 thematisiert. Auf Einladung der neuen Kuratorin des Kunstraumes Lakeside Hemma Schmutz, langjährige Leiterin des Salzburger Kunstvereins, die seit März für die Programmierung in Klagenfurt verantwortlich zeichnet, begeben sie sich wieder auf die Suche nach umstrittener Historie in Kärnten und gehen der Frage nach, was ein Denkmal ausmacht und wie künstlerische Intervention beim DENKEN HELFEN kann.

In Zusammenarbeit mit dem Kärntner Filmemacher Robert Schabus hat das Künstlerduo ein Projekt als provokative Aktion und Ausstellung realisiert, das durch erzeugen einer Leerstelle/Lücke möglicherweise zu einer Korrektur der bestehenden Praxis im Umgang mit historischen Denkstätten führen kann (Zitat Schmutz).  Anlässlich einer künstlerischen Aktion ist ein filmisches Dokument entstanden, das den Abtransport und die Reise zum ehemaligen Standort, eines versteckten Denkmales vor dem Museum und der Gedenkstätte Peršmanhof/ Muzej in spominski kraj pri Peršmanu im grenznahen Bad Eisenkappel, gelegen im hintersten Winkel des Landes, festhält. Die Künstler entfernen für einige Stunden das >Mahnmal< und setzen damit ein sichtbares Zeichen im Umgang und Wahrnehmung mit "Gedenkkultur á la Austria". Das in den 1980er-Jahren neu errichtete Monument zur Erinnerung an den Widerstand der Kärntner Partisanen gegen den Nationalsozialismus hat eine wechselvolle und polarisierende Geschichte. An seinen ursprünglichen Aufstellungsort in Völkermarkt 1946 errichtet und 1953 gesprengt und zerstört, definiert es heute den Bergbauernhof Peršman als Museums- und Erinnerungsort für ein kurz vor Kriegsende verübtes Massaker der SS an der slowenischen Bevölkerung. Ein Verbrechen, dass sich nach Kriegsende im Gedächtnis der Kärntner Slowenen als Symbol für kollektive Leiderfahrungen eingeschrieben hat. Vom Ort des Geschehens "entführt", zeigt der Film die Fahrt der Figurengruppe durch das zweisprachige Kärntner Unterland zurück zum Errichtungsort und unweigerlich schleicht sich eine Art "ECCE-HOMINES" -Bild beim Betrachter ein. Nicole Six und Paul Petritsch positionieren sich durch diese Arbeit wieder einmal als feinsinnige Akteure und Kuratorin Schmutz meint dazu: "Der Einsatz und die Beharrlichkeit mit welcher das Künstlerduo seine Projekte verfolgt, lässt sich am ehesten mit dem Begriff der Radikalität beschreiben. Dies zielt darauf ab, dass persönliche, physische oder auch historische und rechtliche Grenzen ausgelotet
werden."

 

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