Daniel Richter in der Innsbrucker Galerie im Taxispalais

23.09.14

Chromos goo bugly 

Mit Daniel Richter widmet die Galerie des Landes Tirol im Innsbrucker Taxispalais einem Künstler eine Ausstellung, der innerhalb zweier Jahrzehnte gleich zwei erstaunliche, weitreichende Entscheidungen getroffen hat – einmal die der Beschäftigung mit Malerei in einer Zeit, als dieses Medium als unzeitgemäß weitgehende Nichtbeachtung erfuhr und schließlich der Entschluss, sich von der Abstraktion der figürlichen Malerei zuzuwenden. Beide Entscheidungen dürfen als ausgesprochen erfolgreich angesehen werden, nicht nur persönlich, sondern auch für die rezipierende Kunstwelt.
 

Die Galerie im Taxispalais zeigt die erste Überblicksausstellung Daniel Richters in Österreich. In enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und auf seinen Wunsch konzentriert sich die Ausstellung auf die zweite, figürliche Phase seines Schaffens. Etwa 20 Gemälde aus den letzten 14 Jahren werden gezeigt. Beate Ermacora, Direktorin und künstlerische Leiterin der Galerie, versteht die Bilder als Meilensteine einer künstlerischen Entwicklung, anhand derer der stilistische und thematische Werdegang Richters exemplarisch verdeutlicht werden kann. Neben wichtigen Bildern aus Richters bekanntem Werk stehen zudem neue, noch nie gezeigte Gemälde, die den Überblick bis in die Gegenwart führen.

Richter, der bei Werner Büttner Malerei an der Hamburger Hochschule für bildende Künste studiert hat und auch bei Albert Oehlen als Assistent tätig war, begann seine Laufbahn mit großformatigen, und dabei durchaus kleinteiligen Gemälden, die vor allem von formalen Fragen der Malerei geprägt waren. Die Bilder der 1990er-Jahre sind Kompositionen einer grellen und starken Farbigkeit, die keinen Platz für Raum und Figur haben, sie sind getragen von Farbe und Form, die erst durch den Titel Interpretation erfahren. Als Richter um 2000 die beinahe ansatzlose Wende zur figürlichen Malerei vollzieht, behält die Farbe ihre tragende Rolle bei.

An dieser Stelle setzt die Ausstellung mit Bildern wie „Phienox“ (2000) ein. Die Werke dieser Zeit zeigen eine klare zeichnerische Gestaltung des Raumes und der Darsteller, die allerdings farblich ins unwirkliche und unheimliche verzerrt, entpersonalisiert sind. Was bleibt ist der Eindruck der überdrehten Farbigkeit, die gleichsam auf der Netzhaut zu brennen scheint, und das unbestimmte Gefühl von Bedrohung. Die Titel eröffnen dem Betrachter eine Perspektive auf die Komposition, täuschen eine Erklärung der Vorgänge im Bild vor. Letztlich sind sie aber nur ein weiterer intellektueller Reiz, eine Erinnerung an Gesehenes, bieten jedoch keinen klaren Anhaltspunkt. Die Ereignisse und Bilder in den Medien, die für den Künstler Inspiration waren, sind für den Betrachter nicht mehr greifbar.

Der politische Anspruch dieser ersten figürlichen Phase ist ab der Mitte der 2000er-Jahre zurückgedrängt. Exemplarisch für diese Phase zeigt die Galerie im Taxispalais Werke wie „Poor Girl“ (2005) oder „Alles ohne Nichts“ (2006–2007). Sie erscheinen weniger als alptraumhafte Verzerrung einer in den Medien wiedergespiegelten Wirklichkeit. Die Werke stehen für sich, ohne die Anspielung an tatsächlich Geschehenes und lassen so mehr Spielraum für Interpretation.

Die neueren Arbeiten gehen über diese inhaltliche Befreiung noch hinaus, indem sie auch formal lockerer werden. Die klare Zeichnung tritt zurück, die Farbe ist stärker von der Form gelöst, in gewisser Weise ist sie freier denn je: So zeigt beispielsweise „We like to boogie“ (2013) Farbe nicht mehr in der Enge klarer Umrisse über die Leinwand komponiert wie im abstrakten Werk Daniel Richters; sie klingt nun frei über die Fläche des Bildes. Nur noch vage erinnert sie an Landschaft und Gegenstände und ist einzig in der Beschreibung der Personen klarer an das Objekt gebunden. Mit diesen neuesten Werken spannt die Ausstellung den Bogen bis in die Gegenwart über 14 Jahre der künstlerischen Entwicklung hinweg und hinterlässt ein Gefühl der Vorfreude auf das, was da in Zukunft noch kommen mag.
 

Zur Ausstellung erscheint ein großer Katalog, der in Anlehnung an Daniel Richters Arbeitsweise und als Erweiterung der Ausstellung als Künstlerbuch konzipiert ist. Während die Ausstellung selbst ausschließlich auf die Gemälde fokussiert, werden im Katalog auch Zeichnungen und Materialien gezeigt, die dem Künstler als Ausgangspunkte für seine Kompositionen dienen. Mit dieser lang überfälligen Überblicksausstellung vermag es die Galerie im Taxispalais dem Werk eines der interessantesten Protagonisten der zeitgenössischen Malerei einfühlsam und ausdrucksstark Rechnung zu tragen.

Daniel Richter, „Chromos goo bugly“, 13. September bis 23. November 2014

 

Ort: 
Autor: