Charlotte Seidl - Ausstellung im Gauermann Museum

27.03.15

Das Gauermann Museum ist seit 1976 im alten Volksschulgebäude in Scheuchenstein untergebracht. Nur 500 Meter davon entfernt steht das Geburtshaus des berühmten Biedermeiermalers Friedrich Gauermann (1807-1862), in welchem seit Anfang der Fünfzigerjahre eine kleine Gedächtnisstätte eingerichtet war (diese Bestände wurden teilweise in das neue Museum eingegliedert). Umgestaltung 1993, Umbau und komplette Neugestaltung 2000-2002. Sonderausstellungen erweitern jährlich das Programm. Bis 17. Mai zeigt das Museum Charlotte Seidl - Kleine Szenen: 100 geritzte Tonplatten in der Größe von 35 x 35 cm. 

Die bekannte Keramikkünstlerin Charlotte Seidl leitet mit ihrem Mann Johannes Seidl das Gut Gasteil bei Prigglitz, wo internationale Künstler zu temporären Ausstellungen eingeladen werden und das Ehepaar ihre eigenen Werke das ganze Jahr über präsentiert. Die im Gauermannmuseum ausgestellten Werke nennt Charlotte Seidl „Denkanstöße für die eigene Erzählung“. Nicht die Künstlerin liefert die Interpretation, sondern der Betrachter. Deshalb fehlen Titel, die einengen könnten.

In gedämpften Erdfarben tanzen, schwimmen, spielen, gestikulieren Menschen, meist Frauen, inmitten einer scheinbar heiteren Natur. Ihre Gestik ist archaisch einfach und erinnert an prähistorische Felszeichnungen oder an manche Keramikarbeiten von Picasso. Die Menschen stehen und handeln in Gruppen, treten in Beziehung zueinander. Oft sind sie von kindlich verfremdeten Tieren begleitet, wie zum Beispiel einem komischen Katzenkauz, oder von Schafen, kleinen Hunden und Vögeln. Wasser, Wassersport und Strandleben sind immer stets wiederkehrende Themen. Obwohl Charlotte Seidl nie in Marokko war, sind einige Tafeln in einem Dorf mit typischer Berberarchitektur angesiedelt. Es sind, wie die Künstlerin betont, eben nicht nur reale Erlebnisse aus dem Alltag, die sie hier verarbeitet, sondern auch Visionen, die aus dem Unbewussten kommen.

Die Arbeitsmethode ist bestens für diese Thematik geeignet. Ohne vorhergegangene Zeichnung ritzt die Künstlerin die Tontafeln und „bemalt“ sie mit Oxiden, Engoben und Glasuren. Welche Intensität und Effekt die Farben haben werden, weiß sie erst nach dem Brennen. Vorherrschend sind Erdfarben von Beige über Ocker bis hin zu gedämpften Rottönen. Leuchtendes Blau ist den Kleidern der Frauen, dem Wasser und manchen mythischen Tieren vorbehalten. Wenn auch keine zentralen Themen festgemacht werden können, so spürt man in der Art, wie die Tafeln gehängt sind, einen inneren Bezug, einen Gleichklang.

Vom 25. April bis 21. Juni werden in der Galerie Gut Gasteil Bilder zum Thema Irland von Silvia Weiß und Leonard Sheil, sowie Holzskulpturen von Mario Wesecky zu sehen sein. Ebenso neue lebensgroße Frauenfiguren aus Ton von Charlotte Seidl.

 

Ort: 
Kunstszene: 
Autor: