Beethoven – teiltransparent. Oliver Laric im Schinkel Pavillon – eine Besprechung von Uta Baier

30.12.17

Der „Schinkel Pavillon“ genannte „Ausstellungsraum für zeitgenössische Skulptur“ in Berlin-Mitte stammt nicht von Karl Friedrich Schinkel, sondern von Richard Paulick, einem in der DDR berühmt gewordenen Architekten. Paulick wurde zwar am Bauhaus in Dessau ausgebildet, baute nach 1945 jedoch monumentale Rekonstruktionen wie die Staatsoper in Berlin. Sein so genannter Schinkelpavillon, direkt neben der von Schinkel gebauten   Friedrichswerderschen Kirche, ist ein oktogonales Gebäude mit adaptierter klassizistischer Fassade und einer Inneneinrichtung, die den schnell verblassten Charme der frühen 1970er- Jahre widerspiegelt. Da im Berlin des frühen 21. Jahrhunderts die Rekonstruktion, das eklektizistische Zitieren so beliebt ist, fügt sich der Bau heute optisch prima in seine Umgebung. Als Ausstellungshaus ist es neben den Kunstwerken auf der Museumsinsel und demnächst im Schlossneubau ein kleiner Ersatz für eine zentrale zeitgenössische Kunsthalle, die es in Berlin noch immer nicht gibt.

Momentan zeigt Oliver Laric, in Innsbruck geboren und seit einigen Jahren in Berlin lebend, dort seine Ausstellung „Panoramafreiheit“. Sie vereint, was im vergangenen Jahr auch schon in der Secession in Wien zu sehen war: eine 3-D-Druckversion von Max Klingers „Beethoven“ aus dem Museum der Bildenden Künste in Leipzig, einen „Hermanubis“ und die Figurengruppe „Pan mit Bären“. Alle drei sind sichtbar aus mehreren Teilen  zusammengesetzt und diese Teile bestehen aus unterschiedlichen Materialien, so dass die alte Idee der Kopie zum Zweck der Lehre, der Unterweisung und Geschmacksbildung gar nicht erst aufkommen kann – und auch nicht im Sinne von Künstler und Ausstellung wäre. Denn „Panoramafreiheit“ möchte gern darüber diskutieren, dass Museen mit der zunehmend digitalen Gesellschaft ein neues Problem haben. Panoramafreiheit ist ein Begriff aus der Rechtsprechung vieler Länder und bezeichnet die Möglichkeit, Architektur und Kunst im öffentlichen Raum fotografieren zu dürfen und diese Fotografien kommerziell zu benutzen. Bei Museen ist das nicht viel anders, wie jeder Souvenirshop beweist.

Wenn nun Oliver Laric mit seiner Datenbank „threedscans.com“, die – laut Ausstellungs-Begleitzettel – Teil der Schau sein soll, ein Archiv digitaler Daten zum kostenlosen und rechtefreien 3-D-Druck plastischer Kunstwerke anbietet, ist das eine zeitgemäße Möglichkeit zur Vervielfältigung. Es bedeutet jedoch weder für Museen noch für die Kunstwelt eine neue Dimension. Denn „Fragen nach Autorschaft, Originalität und dem Verhältnis von Technologie und Kreativität“, wie sie Kuratorin Marie-Eve Lafontaine gern anhand von Larics Arbeiten diskutiert sehen würde, sind schon ziemlich alt. Die Kunst-Reproduktion im großen Maßstab sowie das Nachdenken über das „Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ haben so lange vor dieser Ausstellung begonnen, dass sie allein durch eine (mehr oder weniger) neue Technologie keine neuen Erkenntnisse generieren.

So bleibt nur, vom äußerst puristischen Eindruck der Aufstellung dreier Laric-Werke zu berichten, die durchaus einen optischen Reiz entfalten, da einige Skulpturenteile aus transparentem Material gedruckt wurden. Das wirkt im lichten Halbrund des Schinkel/Paulick Pavillons durchaus dekorativ, auch wenn die teiltransparent gedruckten Figuren von der Stadtkulisse ringsum fast geschluckt werden. 

bis 21. Jänner 2018

Der Schinkel Pavillon hat bis 3. Jänner Winterpause

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