balance.AKT: Michael Kos im Karner im Karner in Mödling

22.09.15

Der Karner, das älteste erhaltene Baudenkmal Mödlings und der Platz vor St. Othmar werden zweimal jährlich, kuratiert von Doris Reiser, mit Installationen oder Ausstellungen bespielt sowie mit einem entsprechendem Rahmenprogramm. Bis 27. 9. ist die Installation des Bildhauers und Medienkünstlers Michael Kos im Rahmen von "Kunst im Karner" zu sehen. Der Karner ist ein  besondere Raum – und damit verbunden der reizvolle, nicht einfache Versuch, zeitgenössische Kunst in Dialog mit religiösen Themen zu bringen, eine Brücke zwischen Kunst und Kirche zu bauen. Unter dem Titel "balance.AKT" zeigt die Installation von Michael Kos eine Christusfigur die auf einer Slackline balanciert. Der lebensgroße Corpus ist weiß bemalt und in seiner Form traditionell geschnitzt, aber das Kreuz fehlt und auch die Wundmale. So bekommt die Geste der Hände und Arme eine ganz neue Bedeutung und erinnert tatsächlich an jemanden, der versucht, das Gleichgewicht zu halten. Der Corpus Christi und das Kreuz sind Symbole, die wie kam andere in unserer Kultur und Geschichte verankert sind. Das Kreuz ist das Hauptsinnzeichen des Christentums. „Man komme“, so Kos, „als Künstler an diesem Zeichen nicht vorbei, man müsse sich mit ihm beschäftigen, sich auch daran reiben.“ Schon in seinen sogenannten „Körperkreuzungen“ von 2012 splittert der Künstler das Kreuz als auch den Corpus auf und setzt die Teile ähnlich einer Metamorphose in überraschenden Konstellationen neu zusammen. "Kos lässt dadurch eine neue, originäre Körperlichkeit entstehen und hinterfragt damit – wie auch bei der Arbeit im Karner – den tradierten skulpturalen Charakter des Kreuzes." so Günther Oberhollenzer in seiner Eröffnungsrede. "Der Künstler nimmt hier das Achsenkreuz weg und fügt eine andere Achse, eine Gleichgewichtsachse hinzu. Durch diesen Eingriff verändert sich die Skulptur in seinem Sinngehalt. Einerseits sehen wir noch den gekreuzigten Christus, anderseits sehen wir aber auch etwas anderes, Neues...[...] Der balancierende Christus steht für das Gleichgewicht in unserer Gesellschaft – oder vielmehr, er warnt vor dem Verlust dieses Gleichgewichtes, vor der Ungleichheit der Verteilung der Güter in unserer Welt, in der wenigen viel gehört und vielen wenig. Dieser Christus ist aber in noch so vielerlei Hinsicht interpretierbar: wir können darin auch schwankende Werte sehen, eine Zeit des Wandels, in der viele Sicherheiten brüchig werden..." Zusätzlich ist im Ausstellungsraum ein leichter Wind zu spüren, verursacht von einer Windmaschine, die neben den statischen Objekten ein dynamisches, immaterielles Element in die Installation einbringt und den balancierenden Christus immer wieder leicht ins Schwanken bringt. 

Zum Rahmenprogramm: http://www.bgmweb.at

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