Art Critics Award 2017 | Helen Young Chang und Raphael Dillhof

31.05.17
Raphael Dillhof (Foto: privat) und Helen Young Chang (Foto: Stefan Gruber)

Die Kunsthalle Wien und der Verein Kunstwerft haben gestern bekannt gegeben, dass Helen Young Chang und Raphael Dillhof den diesjährigen, mit je 3000 Euro dotierten Art Critics Award (ACA) erhalten. Die Gewinner erhalten neben dem Preisgeld die Möglichkeit der Veröffentlichung in den kooperierenden Partnermagazinen: PARNASS, artmagazine.cc, keenonmag.com, springerin – Hefte zur Gegenwartskunst und Wiener Zeitung. Die Preisverleihung findet am 30. Juni in der Kunsthalle Wien statt.

Die Jury des ACA setzte sich aus den Künstlern Henning Bohl, Johanna Kandl, Barbara Kapusta und Nicole Wermers zusammen. "Der Art Critics Award ist ein besonderer Preis, denn er fördert das Schreiben über Kunst als solches. Besonders ist er auch, weil die Jury aus Künstlerinnen und Künstler besteht, die aus ihrer Perspektive beurteilen, was gute Texte über Kunst sind. Da es keine objektiven Kriterien dafür gibt, was gute Kunst ist, ist es schwer zu beurteilen, was eine gute Kunstkritik ausmacht. Gerade deshalb sind wir im Falle der diesjährigen Preisträger sicher, zwei vielversprechende junge Kunstkritiker zu prämieren", freut sich Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien.

Helen Young Chang

In der Kategorie "Print" entschied sich die Jury für die Autorin Helen Young Chang als Preisträgerin. In ihrem Text über eine Ausstellung von Nathalie Du Pasquier, erschienen im Kunstmagazin frieze d/e, überträgt sie räumliche Situationen präzise in das Medium Sprache. "Es ist ein substantieller Text, der seine Zeit und die der beschriebenen Ausstellung überdauern wird", kommentierte die Jury. Changs Rezension ist ein hervorragendes Beispiel für eine ausgewogene Kritik in einem Printmedium, die eine dezidierte Position einnimmt und gleichzeitig den Leser einen prägnanten Eindruck der Ausstellung vermittelt.

Helen Young Chang (*1977 Illinois, USA) ist eine amerikanische Schriftstellerin und Kunstkritikerin. Sie studierte Kulturanthropologie an der Columbia University in New York, vergleichende Literaturwissenschaften an der Duke University in North Carolina und an der Schule für Dichtung in Wien. Sie erhielt den Milena Jesenka-Fellowship des IWM, den Arthur F. Burns Fellowship und das Margarete Schütte-Lihotzky Stipendium. Helen Young Chang schreibt unter anderem für frieze d/e, frieze, ARTnews und das Wall Street Journal. Aktuell arbeitet sie an einer Biografie der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky. Helen Young Chang lebt in Wien und Pittsburgh, USA.

Raphael Dillhof

Der Kritiker Raphael Dillhof wurde zum Preisträger in der Kategorie "Blog" gewählt. Seine versierten Texte, veröffentlicht auf art-magazin.de, sind gut recherchiert, sprachlich pointiert und scharf im Urteil. Er schafft es gekonnt, Kritik mit Ironie zu verbinden, und wählt einen dem Medium Internet entsprechenden sprachlichen Stil. Solide werden Themen aus Lifestyle, Social Media und Kunst miteinander verknüpft. Mit ihm gewinnt ein junger Kritiker mit einer neuen Stimme, der sich klar positioniert.

Raphael Dillhof (*1986 Wien), studierte Kunstgeschichte in Wien und lebt derzeit als freier Kunsthistoriker und Kritiker in Hamburg; er schreibt zu zeitgenössischer Kunst, Architektur, und digitalen Phänomenen im Kunstbetrieb. Seit Anfang 2016 ist er Mitarbeiter der online-Redaktion von art - das Kunstmagazin.

10 Jahre Art Critics Award

Der Art Critics Award feiert heuer sein 10-jähriges Bestehen. Eine Besonderheit des Preises ist, dass die Kritiker immer von Künstlern gekürt werden. In den Jurys waren bisher 35 Künstler vertreten, darunter etwa Dorit Margreiter, Heimo Zobernig, Monica Bonvicini, Florian Pumhösl, Lisl Ponger und Markus Schinwald. Zu den Preisträgern des ACA zählen Falter Kulturredakteur Matthias Dusini, die Kunsthistorikerin und Kritikerin Brigitte Borchhardt-Birbaumer, die Kunsttheoretikerin Sabeth Buchmann, die Kuratorin Susanne Neuburger, der Autor Benedikt Ledebur sowie die Kritiker Christian Höller und Patricia Grzonka. Mehrmals wurde zusätzlich ein Junior-Award zur Förderung junger Kunstkritiker vergeben.

Moussa Kone, Initiator des Art Critics Award, fasst die letzten zehn Jahre so zusammen: "In den vergangenen Jahren hat sich die Situation von Kritikern deutlich gewandelt. Der Stellenwert von kritischen Texten zu zeitgenössischer Kunst nimmt in den Medien ab, das ist nicht gut für die Kunst. Der Art Critics Award fördert die Kunstkritik auch in schwierigen Zeiten und fordert Qualität. Die Kritik und die Kunst sind heute Verbündete geworden, denn ernsthafte Auseinandersetzung mit Werken macht sich rar."

Diesem Urteil möchte auch PARNASS klar entgegenwirken. Im Herbst wird PARNASS demnach auch das Mentoring des art critic in residence des studio das weisse haus übernehmen. Die Förderung einer nachhaltigen, unabhängigen Kunstkritik ist uns als Fachmedium ein besonderes Anliegen.

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