Annemarie Avramidis – Galerie bei der Albertina.Zetter

17.09.17

Im Anschluss an die bis Anfang September gezeigte große Retrospektive zum Werk von Joannis Avramidis zeigt die Galerie bei der Albertina nun bis 10. Oktober eine kleine fein zusammengestellte Werkschau zum Werk seiner Frau, der Künstlerin Annemarie Avramidis.

Annemarie Avramidis, geborene Persche, kam 1939 in Wien zur Welt. Nach einem Besuch der Sommerakademie in Salzburg bei Oskar Kokoschka 1957 studierte sie ab 1958 unter Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste in Wien und besuchte dort auch den Abendakt bei Herbert Boeckl. 1963 heiratete sie ihren Mitstudenten Joannis Avramidis. In ihrer Auseinandersetzung mit Skulpturen von Maillol, Lehmbruck und Brâncuşi sowie den archaischen Kuroi und Koren Griechenlands, die sie auf Studienreisen im Original kennengelernt hatte, entwickelte Annemarie Avramidis über mehr als vier Jahrzehnte ein Œuvre von ausgesprochener Folgerichtigkeit und klassisch anmutender Ästhetik. Zuweilen ging sie in einen direkten Dialog mit dem Werk Brâncuşi, wie zum Beispiel in der Skulptur "Schlafender", eine Bronze von 1987, oder "Kopf.Dämmerung" von 1990, die ebenfalls in Bronze ausgeführt wurde. In beiden zitiert sie Brâncuşi "Schlafende Muse"

Stets stand der Mensch im Mittelpunkt ihres bildnerischen Schaffens. Ihr bevorzugter Werkstoff war der Stein. Bereits mit 15 Jahren entstand an der Grazer Kunstgewerbeschule ihr erster lebensgroßer Marmortorso. Die Künstlerin arbeitete bevorzugt mit feinkristallinem Marmor aus Carrara oder Griechenland. Einige ihrer Marmorskulpturen setze sich jedoch auch in eindrucksvollen Bronzegüssen um. Die Ausstellung in der Galerie bei der Albertina zeigt eine Auswahl an Arbeiten der Künstlerin und stellt gelungen, Zeichnung, Aquarell und Skulptur in einen Dialog. Die grafischen Arbeiten von Annemarie Avramidis beeindrucken durch einen sicher gesetzten, sehr raschen Strich, mit denen sie die Figuren umschreibt. Sie sind weit mehr als Skizzen – auch wenn sie manchmal eine direkte Umsetzung im Stein ergab – sondern ein autonomes Werk. Ebenso wie die Literatur von Annemarie Avramidis, die kaum bekannt ist. Die Gedichte, so die Tochter und Verwalterin des Nachlasses Julia Avramidis, waren eine Möglichkeit für die Künstlerin mit den Schicksalsschlägen ihres Lebens fertig zu werden und spiegeln die emotionale Seite der Biographie der Künstlerin wider. Im Dialog der Grafik mit der Skulptur fällt auf, dass die Grafik weit mehr an der Figur bleibt, offener ist mehr Detailansichten zeigt, während die Skulptur durch eine Reduktion der Formensprache und eine sehr geschlossene Form geprägt ist, die zuweilen bereits in die Richtung der Abstraktion verweist. Annemarie Avramidis starb 2013 in Wien.