Aldo Giannotti – 
Godspeed You! Architecture STRABAG KUNSTFORUM

30.01.17

2016 wurde Aldo Giannotti mit dem Anerkennungspreis des STRABAG Artaward International ausgezeichnet. Nun präsentiert das  STRABAG Kunstforum eine Einzelausstellung des Künstlers. Der in 1977 in Genua geborene Künstler lebt seit dem Jahr 2000 in Wien. Seine jüngsten Projekte wurden in namhaften Institutionen (Lentos Kunstmuseum Linz, Kunsthaus Graz, Albertina, MUSA) sowie im öffentlichen Raum (KÖR) gezeigt. In unsere nächsten Ausgabe erscheint ein kurzes Porträt von Elsy Lahner über den Künstler:

Aldo Giannotti befasst sich in seinen Arbeiten mit der Beziehung von Menschen zu ihrer Umgebung und untersucht, wie sich der soziale Raum, das Verhalten von Personen in einem Raum verändert, wenn die architektonische Struktur umgestaltet wird. In seinen Zeichnungen modifiziert die Parameter und stellt unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf. Der Künstler ist in den verschiedensten Medien zuhause, doch gerade die Zeichnung ist für ihn ein wichtiges Werkzeug, um eine Welt an Wirklichkeiten entstehen zu lassen und Möglichkeiten auf dem Papier durchzuspielen. 

Anhand von Zeichnungen, die er mit dem Titel „Spatial Dispositions“ zusammenfasst, entwirft er Ideen für Interventionen in einem Ausstellungsraum oder Museum. Von diesen Ideen, die auf einer tiefen Auseinandersetzung mit dem Ort, mit der Infrastruktur, mit Besuchern und Mitarbeitern, basieren, ließen sich manche durchaus realisieren, andere sind  jedoch reine Visionen und von der Umsetzung her kaum bis gänzlich unmöglich. Für den Betrachter nehmen sie gedanklich dennoch Gestalt an. So lässt Aldo Giannotti einen Teil des Werks im Kopf des Betrachters entstehen. Ja, er macht die Betrachter sogar selbst zu Teilnehmern seiner performativen Aktionen, wenn die Zeichnungen die Form von Handlungsanweisungen annehmen. . 

Aldo Giannotti ist ein guter Beobachter. In der Zeichnung konzentriert er seine Beobachtungen scharfsinnig und humorvoll auf das Wesentliche. Er selbst beschreibt das Resultat als das „no-man's-land between funny and true“. Ein treffendes Beispiel dafür ist eine aktuelle Zeichnung, die den Bau eines Hochhausturms zeigt, den der Künstler unter das Wort „Babel“ gesetzt hat. Sprechblasen lassen die nicht abgebildeten Bauarbeiter einander Befehle und Kommentare in den unterschiedlichsten Sprachen von Serbisch, Rumänisch über Ukrainisch bis Chinesisch zuwerfen. Aldo Giannotti bringt damit auf den Punkt, dass der biblische Turmbau zu Babel heute auf jeder Baustelle Realität ist.

Gelegentlich zeichnet der Künstler auch mit einem schwarzem Pinsel direkt auf die Wand, wie bei einem Projekt, das kürzlich in Kooperation mit KÖR Wien am Yppenplatz entstanden ist. Für dieses schachtelte er „Two Different Buildings in Different Scales in Different Positions“ auf einer Hausfassade ineinander und bettete damit das Sujet in den räumlichen Kontext ein, dem es auch inhaltlich entsprang.

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